https://www.aerztezeitung.de berichtet:
Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland haben im Jahr 2024 eine prekäre finanzielle Situation erlebt. Ihre Finanzreserven beliefen sich zum Jahresende auf nur noch 2,1 Milliarden Euro, was etwa 0,08 Monatsausgaben entspricht und weniger als die Hälfte der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestrücklage von 0,2 Monatsausgaben. Dies ist ein starkes Rückgang von 16,6 Milliarden Euro, die die Kassen noch zur Jahresmitte 2021 hatten. Das Defizit der Kassen betrug 6,22 Milliarden Euro, was höher ist als die von der Ärzte Zeitung ermittelten Werte. Die Leistungsausgaben pro Person stiegen im Vorjahr um 7,8 Prozent, wobei die Kostenentwicklung nach Kassenart variieren: von 6,9 Prozent bei der AOK bis zu 10,5 Prozent bei der Knappschaft. Besonders dynamisch stiegen die Ausgaben für Heilmittel (10,4 Prozent), Arznei- und Verbandmittel (9,9 Prozent) sowie Schutzimpfungen (10,9 Prozent). Die Pflegepersonalkosten im Krankenhaus stiegen um 13,1 Prozent, während die Ausgaben für Zahnersatz, Früherkennungsmaßnahmen und Ärztehonorare unterdurchschnittlich blieben. Die stationären Behandlungen wiesen einen leicht überdurchschnittlichen Anstieg von 8,7 Prozent auf. Die Netto-Verwaltungskosten der Kassen sanken 2024 um 74 Millionen Euro auf 12,68 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 5,3 Prozent ohne Altersrückstellungen entspricht. Der durchschnittlich erhobene Zusatzbeitragssatz lag bei 2,92 Prozent, während das Bundesgesundheitsministerium (BMG) im November 2024 einen Satz von 2,5 Prozent festgelegt hatte. Dieser Anstieg sei auf die „unerwartet starke Ausgabenentwicklung“ zurückzuführen. Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht die Finanzsituation der GKV als Ergebnis von Versäumnissen in den vergangenen Legislaturperioden. Er betont, dass tiefgreifende Strukturreformen des Gesundheitswesens für stabile GKV-Finanzen unerlässlich seien. Der Gesundheitsfonds verzeichnete im Vorjahr ein Minus von 3,7 Milliarden Euro und hatte am 15. Januar 2024 noch eine Liquiditätsreserve von 5,7 Milliarden Euro, nachdem sie im Vorjahr bei 9,4 Milliarden Euro gelegen hatte.
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